| Eröffnungsgottesdienst zur Ausstellung ''Offensichtlich-Verborgen'' - Armut in den Gemeinden |
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| Donnerstag, 22. Oktober 2009 | |||
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Bevor aber die liturgische Feier begann, die instrumental von Michael Stein an der Orgel und Pastor Dittmann auf der Gitarre begleitet wurde, erhielt jeder Besucher zwei Punkte, die er oder sie auf zwei der vorgegebenen die Begriffe kleben sollte, die für ihn oder sie mit Armut zu tun haben. Am Ende waren sich alle einig, dass keiner, der in dieses finanzielle und auch seelische Loch rutscht, selbst schuld darin ist. Denn dieser Gedanke ging punktemäßig leer aus. Genau das zeige auf, so Pastor Kertess, dass die Menschen in der Gemeinde das richtige Gespür dafür hätten. Mit der Ausstellung, die im Kirchengemeindehaus bis zum 1. November dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr – oder nach Vereinbarung – zu sehen ist, soll allen „Antiarmutsmenschen" die Augen geöffnet werden. Pastor Dittmann mahnte an, dass allein in der Samtgemeinde Bad Grund 25 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter von gerade geboren bis 18 Jahre von Sozialleistungen abhängig seien, offiziell seien es elf Prozent der Samtgemeindebevölkerung. Die Kirche stelle sich dieser Frage und habe sich als Engel der Armen erhoben, weil die Missachtung der Armen aufhören müsse. Alle Menschen seien aufgerufen, als Wächter tätig zu werden, und vor der Armut nicht die Augen zu verschließen. Er stellte auch ein Projekt der Landeskirche vor, das den Titel „Zukunftsgestalten" trägt und allen Kindern unter der Schirmherrschaft von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann eine Chance geben soll. Der gesamte Kirchenkreis Osterode solle aufgerufen werden, mit der Gottesdienst Kollekte den zukünftigen ABC-Schützen ein Starterpaket in die Schulzeit zu ermöglichen. Denn das gesammelte Geld werde seitens der Landeskirche um ein vielfaches erhöht. Und in Eisdorf werde der erste Betrag zusammenkommen. Kirchenvorstandsmitglieder setzten übrigens noch den Alltag in Szene, wo Harz IV die Regie führt und die Tafel eine Hauptrolle spielt. Nach dem Gottesdienst ergriffen Bürgermeisterin Petra Pinnecke und Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann das Wort. Letztgenannter mahnte an, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werde, weil man sich weiter voneinander entferne, statt miteinander zu reden. Die Ausstellung verdeutliche ein Thema, das alle etwas angeht. Sie rufe dazu auf, sich umzuschauen und die Sensibilität zu steigern, um Hindernisse zu überbrücken. Auch er kam auf die Situation in der Samtgemeinde Bad Grund zu sprechen. Dort seien fast 800 Menschen von Armut betroffen, davon allein 180 Bürger, die unter 18 Jahre alt seien. Er hoffe, dass diese Ausstellung viel Aufmerksamkeit erfahre und große Diskussionen zur Folge haben möge. Petra Pinnecke, die seit 28 Jahren im Sozialamt des Kreises Osterode arbeitet, betonte, dass es sie noch immer erschrecke, dass es neben der finanziellen auch eine seelische Armut gebe. Die soziale Isolierung, die schlechte Gesundheit und die Anfälligkeit für Sucht seien die Folge von Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Krankheit. Armut sei auch bei uns längst nicht mehr unsichtbar, die Hilfsorganisationen schlügen schon Alarm. Es sei an der Zeit Verantwortung im Interesse des Gemeinwesens und der Demokratie zu übernehmen. Die Ausstellung selbst rief mit dem gedruckten Wort alle Besucher zum Nachdenken und Umdenken auf. Denn es wurden zwar Fragen gestellt, denen antworten folgten, aber es gab auch welche, worauf der Betrachter die Antwort finden musste. Arbeiten, die zum Brückenbau zwischen Arm und Reich, zwischen Scham und Hilfsbereitschaft beitragen. Übrigens werden während der gesamten Ausstellungszeit auch Führungen und Gespräche für einzelne Gruppen angeboten, in denen die Möglichkeit zur Diskussion besteht, während der durchaus auch Lösungen hervortreten können. Und am Sonntag, 8. November, ist dann eine Abschlussveranstaltung vorgesehen, in welcher die Ausstellung ausgewertet und gemeinsam überlegt werden soll, welche Möglichkeiten den Betroffenen geboten werden können. Sie wird um 18 Uhr ebenfalls mit einem Gottesdienst in der St. Georgs-Kirche beginnen.
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