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Ev.-luth. St.-Georgs-Kirchengemeinde
Mitteldorf 35
37534 Eisdorf
Tel. 05522-82696

Predigt zur Jahreslosung 2012 von Pastor Brinkmann Drucken
Donnerstag, 05. Januar 2012

 

                                    

      Macht die Macht Menschen anders?

  • Macht die Macht Menschen anders?

  • Die Jahreslosung für dieses Jahr war im letzten Jahr das Thema für die Männerkreise.

  • Deshalb war ich im Jahr 2011 mit diesem Thema in vielen Männerkreisen unterwegs und habe mit ihnen darüber diskutiert:

  • Wie sieht das eigentlich aus, wenn wir Macht ausüben.

  • Im Betrieb, zu Hause, in der Kirche…

  • Und wie sieht das aus, wenn wir ohnmächtig sind:

  • Im Betrieb, zu Hause, in der Kirche…

  • Die Philosophie, Psychologie und Soziologie will ich jetzt nicht zu stark betonen:

  • Es ist so, dass von Hanna Ahrend über Max Weber bis zu Niclas Luhmann und dem Psychologen Adler, Menschen sich mit dem Thema Macht auseinandergesetzt haben.

  • Nietzsche hat dem Menschen sogar eine Ausschließlichkeit als Machtwesen mit dem Willen zu Macht attestiert.

  •  

  • Spannend an den unterschiedlichen Beschreibungen von Macht ist, einmal, dass da unterschiedliche Vorstellungen von Macht existieren und das Macht per se erst einmal neutral beschrieben wird.

  • Das macht auch Sinn:

  • Macht ist nicht etwas Schlechtes.
    Ich als Vater habe eine erstaunliche Macht über meine Kinder - Schon spannend.

  • Lehrer haben Macht über Schüler, Chefs über Mitarbeiter, Professoren über Studenten.

  • Machtgefälle sind in unserer Gesellschaft und vermutlich in jeder Gesellschaft der Welt normal.

  • In aller Regel ist es so, dass in unserer demokratischen Gesellschaft Menschen mit Macht beauftragt werden.

  • Ein Aufsichtsrat setzt den Vorstand ein, Politiker oder Kirchenvorsteher werden gewählt, Lehrer angestellt, Professoren berufen.

  • Alles Worte, die eine Gruppe von Menschen bezeichnen, die zur Macht beauftragen.

  • Dann ist ein Mensch mächtig – über die anderen herausgehoben. Durch Geld, Auftrag oder Wahl.

  • Und dann wird es spannend.

  • Ja, es ist eindeutig – Menschen verändern sich, wenn sie Macht bekommen.

  • Es gibt eine Studie unter jungen Führungskräften in der Wirtschaft, in der antworten über 50% der Befragten Führungskräfte, dass sich mit der Übernahme von Macht und Verantwortung ihre Werte verändert hätten und über 70%, dass sie unmoralisches Verhalten in ihrem Umfeld beobachten würden.

  • Macht hat einfach das Potential zur Veränderung von Persönlichkeiten.
    Das haben Sie sicher auch schon mal beobachtet, aber kann sagen: Mit mir macht die Macht das nicht, denn Macht hat ein großes Suchtpotential

  • Ich kann als Mähtiger nämlich die Ressourcen von anderen nutzen, um meine Ziele zu erreichen.

  • Ich habe die Wahlfreiheit zu tun, was ich will.

  • Viele Menschen schauen auf mich!

  • Ich habe Verantwortung und genieße das.

  • Ich spüre die Anforderungen von anderen.

  • Ich bekomme Anerkennung.

  • Und dann die Kehrseite: Ich habe auch Angst vor dem Fall.

  • Wenn ich sie einsetze, dann erst kommt zum Tragen, ob ich die Macht gebrauche oder missbrauche.

  • Die Unterscheidung ist da ganz einfach:

  • Die Frage beim Machtmissbrauch lautet:

  • Nutzt die Mächtige oder der Mächtige seine oder ihre Macht für die Menschen um sich herum oder für sich selbst.

  • Macht – Sie macht Menschen anders.

  • Aber: Was heißt das für uns Christen?

  • Wie geht die Bibel mit Macht um.

  • Das würde heute zu lange dauern, alle Geschichten, die sich der Bibel um das Thema Macht ranken zu beleuchten.

  • Nur ein paar Schlaglichter:

  • David: Vom Kleinen, über den Königsliebling, über den Räuberhauptmann zum König.

  • Eine Karriere mit Hindernissen und eine Geschichte für einen Sandalenfilm.

  • In dieser Geschichte wird David bestärkt in seinem Willen die Macht in Israel als König zu erobern, er wird gleichzeitig als eher loyal beschrieben. Die Höhle von En-Gedi ist da ein Zeichen. Und als er als König seine Macht missbraucht, wird er rüde von Gott zurückgepfiffen. Wer es nachlesen will, dem sei die Geschichte um Uria und Batseba empfohlen.

  • Die Propheten: Amos und Jeremia und die anderen treten gegen die Mächtigen auf und predigen gegen diejenigen, die ihre Macht missbrauchen, Schwächere unterdrücken, Recht beugen und Reichtum ausnutzen. Sie finden deutliche Worte. Ich habe da immer den Amos im Kopf, der unten am Berg vor den Einfamilienvillen der Reichen auf dem Geldberg steht und die Frauen der Reichen mit Kühen vergleicht. Das wird für die Millionärsgattinen von damals kein Vergnügen gewesen sein. Lesen Sie mal Amos 6

  • Und dann Jesus:

  • Er erzählt die Geschichte vom Schalksknecht, der vor seinem Herren demütig um Gnade winselt und seine große Schuld erlassen bekommt, nur um dann im Hof des Schlosses seine Macht zu missbrauchen, um einen untergebenen Schuldner ins Gefängnis werfen zu lassen.

  • Die Folge ist im Matthäus 18 zu lesen. Er wird verpfiffen und sein Herr, vor dem er eben noch winselnd gelegen hatte, fordert von ihm doch alle seine Schulden ein und wirft ihn selbst ins Gefängnis.

  • Zu seinen Jüngern sagt Jesus: Wer unter Euch der Mächtigste sein will, der sei euer aller Diener!

  • In diesen Reigen gehört auch die Geschichte, die wir gerade gefeiert haben:
    Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an.

  • Gott wird Mensch und gibt seine ganze Macht dran und wird ein Kind – Weihnachten.

  • Damit ist aber noch nicht Schluss. Paulus setzt noch einen drauf.

  • Im 2. Korintherbrief, aus dem unsere Jahreslosung kommt, beschreibt er seine eigenen Grenzen und Möglichkeiten in einer Art, die heute vielleicht etwas fremd ist.

  • Sein Fazit ist: Ich bekomme das nicht alleine gebacken. Geht einfach nicht:

  • Leben, Gemeinde aufbauen, predigen, von Ort zu Ort ziehen, mit meiner Krankheit fertig werden, den Kontakt zu Gott halten.

  • Alleine nicht möglich! Ich bin zu schwach dafür.

  • Kennt jeder, dass man für sich sagen muss: Nein, jetzt ist Grenze angesagt. Ich kann nicht mehr.

  • Paulus erzählt den Korinthern, dass er Gott angefleht hat seine Grenze zu verschieben.

  • Die Antwort ist unsere Jahreslosung: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

  • Wie jetzt?

  • Nichts mit Grenzen verschieben.

  • Keine Stärke für Paulus.

  • Nein, sondern die klare Ansage: Meine Kraft – nicht deine.

  • Macht nicht von dir aus, sondern durch mich.

  • Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

  • Das heißt nicht: Mach dich schwach! – Das heißt: Lebe mit deinen Schwächen.

  • Mach dich nicht stärker, als du bist.

  • Die ganzen Geschichten aus der Bibel, die ich eben erzählt habe, handeln von Menschen, die immer beides sind: Stark und schwach, mächtig und ohnmächtig.

  • David, Amos, Jeremia, Jesus.

  • Nehmen Sie das mit in das Jahr, wenn wir wieder von Macht und Mächtigen reden.

  • Nehmen Sie das mit in das Jahr, wenn Sie sich im Job nicht trauen Schwäche zu zeigen.

  • Nehmen Sie das mit in das Jahr, wenn Ihre Chefin oder ihre Familie immer mehr verlangt, als sie zu geben in der Lage sind.

  • Und da wird mein Thema noch aus einer ganz anderen Blickrichtung beleuchtet:

  • Macht die Macht Menschen anders?

  • Ja! Da ist Kraft in den Schwachen mächtig. Da kommt Macht von einer anderen Seite mit ins System und relativiert die Macht von Menschen um mich herum.

  • Im Betrieb, in der Familie, im Verein, im Freundeskreis

  • Ich muss mich nicht den Mächten von außen beugen, weil seine Kraft in meiner Schwachheit mächtig ist.

  • Ich muss nicht den starken Kerl oder die taffe Frau mimen, wenn ich mich gar nicht so fühle.

  • Ich kann ehrlich sein und mit meinen Schwächen und Begrenzungen fröhlich die Dinge angehen, die angegangen werden müssen.

  • Nehmen sie sich den Paulus zum Vorbild, der von seiner Schwachheit redet. Er ist nicht unerfolgreich.

  • Er baut Gemeinden, reist herum und noch heute lesen wir seine Briefe.

  • Er kann sich streiten, ist durchsetzungstark, wortgewaltig und kreativ – und doch auch schwach.

  • Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

  • Nehmen Sie sich diese Idee mit in das Jahr.

  • Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

  • Nicht ich muss den Starken markieren, sondern Gott sagt mir zu, dass er mich ermächtigt.

  • Mit Macht ausstattet, weil er es versprochen hat.

  • Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.