| Gedanken zum Sonntag........ |
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| Sonntag, 05. Juni 2011 | |||
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erschienen im Harzkurier am Samstag, den 04. Juni 2011! Wir bedanken uns bei Pastor Andre Dittmann, der uns die 'Gedanken zum Sonntag' für unsere Kirchenhomepage zur Verfügung gestellt hat.
„Ganz klar: Mach was aus deinen Fähigkeiten“
„Herr Dittmann, das ist doch ungerecht!“ Viele Schülerinnen und Schüler meines Religionskurses „Christliche Wirtschaftsethik“ sind empört. „Jesus vertritt hier Raubtierkapitalismus!“, meint Ulrike die auch schon in den vergangenen Stunden immer wieder die Prinzipien des fairen Handels propagiert hat. Was hat meinen Kurs so in Aufruhr gebracht Ein Gleichnis, das Jesus erzählt: Der erste bekommt 5 Talente Gold, der zweite 2 Talente Gold, der dritte ein Talent Gold. Irgendwann kommt der Herr zurück und fordert sein Geld. Die ersten beiden Diener investierten und haben 100 % Rendite erwirtschaftet. Sie können 10 bzw. 4 Talente ihrem Herren zurückgeben. Als Anerkennung werden sie befördert. Der dritte Diener hatte Angst vor der Bestrafung durch seinen Herrn, sollte er das anvertraute Geld durch ungeschicktes, unsicheres Investition verlieren. So vergrub er es sicher. Nun kann er mit gutem Gefühl seinem Herrn genau den anvertrauten Betrag zurückgeben. Wer weiß, welche Vertrauensstellung ihm jetzt angeboten wird... Doch der Herr wird maßlos sauer und laut: Ihm ist das eine Talent zu wenig. Der reiche Herr verteilt das Geld auf die anderen beiden Diener. Kurzer Hand schmeißt er den er den dritten Diener raus. Ein reicher Mann geht auf Reisen. Zuvor vertraut er sein Geld dreien seiner Diener an.Die Diskussion geht weiter. „Herr Dittmann, das steht gar nicht in der Bibel. Das haben Sie sich ausgedacht!“, spekuliert eine Schülerin. Gier und Hartherzigigkeit erwarten meine Schüler nicht in der Bibel. Eigentlich hätte der Herr dem ängstlichen Diener Mut machen müssen. „Der Hausherr kann ihn doch nicht einfach rauswerfen, weil der nicht so profitgeil ist wie seine Kollegen...! Das ist doch nicht christlich!“, meldet sich Pascal zu Wort. Die Klasse ist ungehalten. Da passiert es. Zum ersten Mal. Ich hätte es fast nicht gesehen! Langsam hebt er den Finger. Die ganze Stunde hat er intensiver als sonst zugehört. In seinem Gesicht kann ich erkennen: Eine Erkenntnis bahnt sich mühsam ihren Weg. Das ganze Schuljahr über hat er sich nicht gemeldet, immer wieder gesagt: „Ich hab von Religion keine Ahnung!“ Peter beginnt zögernd, ich lächle ihm aufmunternd zu. „Der wird ja auch nicht rausgeschmissen, weil er keinen Gewinn macht. Der wird rausgeschmissen, weil er nichts aus dem macht, was ihm der Herr überlassen hat. Da steht doch Talente. Das sind die Fähigkeiten. Was Jesus hier meint, ist doch ganz klar: Mach was aus deinen Fähigkeiten! Dann werden dir auch größere Aufgaben anvertraut!“ Inzwischen war es ganz still geworden in der Klasse. Peter fährt fort: „Wenn ich mich in der Schule nicht anstrenge, die Chance jetzt hier an dieser Schule nicht nutze - wer weiß, was dann aus mir wird. Und vielleicht verliere ich später irgendwann die Lust, was zu lernen. Dann nutze ich doch lieber jetzt die Chance und die Fähigkeiten, die ich habe, auch wenn es nicht viele sind!“ Peter ist über sich hinaus gewachsen. Er beteiligt sich seitdem regelmäßig. Ich staune immer wieder über die Kraft, die in den Gleichnissen liegt, die Jesus erzählt hat. Welche Fähigkeit liegt in ihnen vergraben, aus der sie etwas machen können? André Dittmann Schulpastor an den Berufsbildenden Schulen I des Landkreises Osterode am Harz
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