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In einer kleinen Stadt führte ein Drahtseil-Akrobat seine Kunststücke vor. Über den Marktplatz war ein Seil gespannt, auf dem er hin und her lief, Fahrrad fuhr und auch sonst manch halsbrecherische Übung vorturnte. Die Zuschauer unten waren begeistert. Plötzlich rief er mit lauter Stimme herunter: „Glaubt ihr, dass ich eine vollbepackte Schubkarre über das Seil fahren kann?“ „Sicher!“, schallte es von unten zurück, verstärkt durch tosenden Beifall. „Gut. Wer würde sich denn dann von mir in der Schubkarre über das Seil schieben lassen?“ Betretenes Schweigen! Zugetraut hätte man es ihm schon, man hatte ja gesehen, was er alles konnte. Aber ihm vertrauen, sich ihm anvertrauen, da oben, in schwindelnder Höhe? Plötzlich meldete sich ein kleiner Junge: „Ich lasse mich schieben!“ Neue Begeisterung erfasste die Menge, als der Junge sich hochziehen und über das Seil fahren ließ. „Hast du denn gar keine Angst gehabt,“ wurde er gefragt, als er wieder heil auf dem Marktplatz stand? „Aber warum denn,“ war die Antwort, „der da oben, der mich geschoben hat, das ist doch mein Vater!“ Kein Wunder, dass er Vertrauen hatte. Das war sein Vater und sein Vater würde ihm doch keiner Gefahr aussetzen. Kinder leben von solchem Vertrauen. Und sie brauchen es, um gesund groß zu werden. Und wir Großen? Wir brauchen es auch. Urvertrauen, nennen die Psychologen das, was wir in der Kindheit (hoffentlich) verinnerlicht haben und uns ermöglicht, mit gewisser Zuversicht unseren Lebensweg zu gehen. Die Bibel nennt solches Vertrauen auch Glauben (im Griechischen ist es dasselbe Wort) und sie verrät uns auch den Grund, weshalb wir auch als Erwachsene vertrauen/glauben dürfen: „Der da oben ist doch unser Vater“, unser Vater im Himmel, sagt sie, und wir sind seine geliebten Kinder.
Der Himmel ist nicht leer, vielmehr haben wir einen Vater im Himmel. Mag sein, das das ein wenig naiv klingt, kindlich, aber für mich gibt es keine schönere Vorstellung von Gott und keine hilfreichere, gleicht doch das Leben manches Mal einem Drahtseilakt. Gut, wenn man sich dabei dann von Gottes guten Vaterhänden geführt und gehalten weiß.
Ihr Pastor Peter Schlichting
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