| Predigt ''Der Teufelsspiegel'' |
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| Donnerstag, 30. September 2010 | |||
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Predigt vom Vorstellungsgottesdienst der Vorkonfirmanden
Liebe Vor- und Hauptkonfirmanden, liebe Gemeinde! Natürlich ist diese Geschichte vom Teufelsspiegel nur ein Märchen. Aber wie das so ist mit den Märchen: In jedem steckt ein Funken Wahrheit drin. Und etwas von dieser Wahrheit haben wir auch schon erlebt. -Ist uns bestens bekannt.- Da treffen sich zum Beispiel zwei frühere Kolleginnen. Und die eine sagt zur anderen Honigsüß: „Da sieht man mal, wie man älter wird. Ich hätte dich fast nicht wiedererkannt.“ Während die andere kühl und hinterhältig erwidert: „Also ich war mir gleich sicher, dass du es bist. Dieses Kostüm trägst du doch schon seit zehn Jahren, nicht wahr?“
Allerdings kann sich dieser Blick, der nur das Schlechte und Negative sieht, nicht nur gegen andere, sondern auch gegen uns selbst richten. Wir haben das im Anspiel gleich zu Anfang eindrücklich erlebt: Ein Mädchen freute sich auf ihre erste Verabredung. Erzählt begeistert ihrer besten Freundin davon. Die ihr gut zuredet. Mit ihr gemeinsam ihre Freude teilt. Doch mit einem Mal wurde ihr eigenes Spiegelbild plötzlich für sie zur Fratze: Haare, Nase, Mund, Augen - an allem hatte sie etwas auszusetzen. Ja, sie steigerte sich in die Unzufriedenheit mit sich selbst geradezu hinein. Und die beiden Teufel mit dem Spiegel lachten sich darüber ins Fäustchen. Ich denke, dass diese Unzufriedenheit mit dem eigenen Spiegelbild weit verbreitet ist – und zwar nicht nur unter Jugendlichen. Nein, auch bei uns Älteren sieht das nicht anders aus. Denn mit sich selbst zufrieden zu sein, war vielleicht noch nie so schwierig wie in unserer heutigen medialen Zeit. Wo uns die Werbung in Zeitschriften, im Fernsehen und Internet mit ihren Angeboten und Vorbildern geradezu bombardiert. Uns den Himmel auf Erden verspricht, wenn wir bestimmte Produkte kaufen, um dann so auszusehen, wie es die, mit Graphikprogrammen getunten und veränderten perfekten Models tun. Weshalb sich viele vor dem Blick in den Spiegel fürchten. Sich im Vergleich mit diesen künstlichen Designergestalten oftmals fragen: „Kann ich mich so sehen lassen? Bin ich noch am Ball oder schon weg vom Fenster, wenn ich nicht so aussehe und handle wie die Stars und Sternchen, die wir überall in Zeitschriften und Internetseiten zu Gesicht bekommen, bei denen offensichtlich alles vom Auftreten bis zum Style perfekt zu sein scheint? Andere von uns hingegen werden eventuell die gegenteilige Erfahrung gemacht haben. Nämlich, dass sie trotz cooler Klamotten, Fahrräder, Skateboards und Handys bei anderen nicht so ankommen, wie sie sich das erhofft und insgeheim erwünscht haben. Weil gerade im Leben und Miteinander eben nicht immer alles so glatt und super läuft wie in einem Werbefilm von Coca-Cola, oder den anderen großen Marken. Wo die anderen alles stehen und liegen lassen um sich einem zu zuwenden, wenn man nur dieses bestimmte Produkt hat und dadurch dem perfekten Spiegelbild entspricht. Weshalb ich meine, dass wir uns heute nicht die Frage stellen sollten: Wie kann ich diesem, oftmals unerreichbaren Wunschbild und Spiegelbild anderer und von mir selbst entsprechen? sondern eher: Wer baut mich auf, wenn ich vor dem Spiegel die Krise ekomme? Wenn ich nur noch meine schlechten Seiten an mir wahrnehme? Wenn ich mit mir selbst unzufrieden bin und so gerne anders, schöner, größer, schlanker, stärker oder auch sportlicher wäre? Eine gute Antwort auf diese Frage, liebe Konfirmanden und liebe Gemeinde, denke ich, können wir im 36. Psalm finden, welchen wir vorhin von unseren Hauptkonfirmanden vorgelesen bekommen haben. Dort heißt es in Vers 10: „Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht.“ Sicher, liebe Konfirmanden und liebe Gemeinde, das klingt anders als wir das gewohnt sind und tagtäglich erfahren. Denn wir meinen uns immer wieder selbst ins beste Licht setze zu müssen. Ganz egal ob in der Schule, im Sportverein, bei Freunden und erst recht in der Konfirmandengruppe. Überall kommt es darauf an, dass ich alles und jeden überstrahlen: Mit meinem Auftreten, mit meinen lockeren Sprüchen und erst recht mit meinen Leistungen. Da das ungeschriebene Motto unserer Zeit heute lautet: Ein Mensch ist das, was er oder sie aus sich macht. Ein Mensch ist das, was er leisten und sich leisten kann. Und gerade davon versprechen wir uns ein erfülltes Leben, erhoffen wir uns Glück, Freude und vollkommene Zufriedenheit. Doch in der Bibel heißt es stattdessen: Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Nicht wir selbst sind die Quelle und das Licht, sondern Gott allein. Gott ist es, der uns gewiss machen möchte, dass wir bei ihm gut aufgehoben sind; dass wir uns daran erinnern, was wir ihm verdanken. Denn er ist die lebendige Quelle meiner Begabungen und Fähigkeiten. Meiner guten und auch weniger guten Seiten. Meiner Stärken und meiner Schwächen. Weshalb ich bei Gott mehr bin, als mein äußeres Erscheinungsbild, zu dem ich morgens vor dem Spiegel sage: Ich mag dich zwar nicht, aber ich wasche dich trotzdem. Bei Gott, liebe Konfirmanden und liebe Gemeinde, ist mein Wert als Mensch weder von meinen Zeugnisnoten, noch von meinen Kontostand, geschweige denn von meinem fußballerischen Können oder meinem Gesundheitszustand abhängig. Bei ihm bin ich keine 08/15 Kopie, sondern ein Original, zu dem er mich geschaffen hat. Ein liebenswertes Original, das durchaus eine schiefe Nase, einen dicken Bauch eine kleine Statue, oder ähnliches haben kann und darf. Eine Rarität, die auch ihre kleinen charakterlichen Ecken und Macken behalten darf, ohne gleich weniger wert oder angesehen zu sein. Und wo ich das begriffen habe, kann ich mich selber annehmen wie ich bin: Mit all meinen schönen und weniger schönen Seiten. Mit meinen Stärken und Schwächen, weil ich weiß: Mein Leben ist wertvoll, wurde mir von der Quelle allen Lebens, von Gott selbst geschenkt. Und er ist es, der mich auch tagtäglich erhält. Mir gerade nicht, wie der Teufel immer wieder boshaft den Spiegel vorhält um sich an meinen und den Schwächen anderer zu freuen. Um mir zu zeigen wie viele Schattenseiten und Dunkles ich an mir habe. Nein, sondern im Gegenteil, Gott sieht mich mit anderen Augen an. Mit hellen und freundlichen Augen. Mit einem Blick der voller Licht und Wärme ist. Der es hell werden lässt in uns und unseren Nächsten; uns deutlich macht, wie wertvoll und liebenswert jede und jeder von uns in Gottes Augen ist und bleibt. Unabhängig davon, was andere über uns sagen und denken. Was wir selbst von uns manchmal halten. Diese besondere Sichtweise Gottes von uns und unseren Nächsten, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, wollen wir im Konfirmandenunterricht miteinander versuchen einzuüben und in unserem Umfeld zu verbreiten. Sicherlich, liebe Haupt- und Vorkonfirmanden, leicht wird es nicht diese Sichtweise Gottes von uns unter die Menschen zu bringen, denn immer wieder werdet ihr auf die kleinen und spitzen Splitter des Teufelsspiegels stoßen. Die vor allem das Schlechte und Böse bei uns und anderen hervortreten lassen. Doch ich bin mir sicher, mit Gott an eurer Seite, wird es euch gemeinsam mit den hier Anwesenden gelingen, den einen oder anderen Splitter des Teufelsspiegels aus unseren Augen und den unserer Nächsten zu ziehen, damit alle sehen und erfahren, wie hell und klar diese Welt sein kann, wenn man sie mit Gottes Augen sieht. Mit Gottes Augen, die uns freundlicher und gnädiger anblicken, als wir und jeder Spiegel es jemals können. Amen.
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